Von Schwalben und Freundschaft.

Lieber Freund,

Dein Leben verändert sich. Du veränderst dich. big times.
Doch, ich mag es nicht. Wie du dich veränderst und wie du nun bist.

Ich habe das Gefühl, dass ich dich nicht kenne. Zumindest nicht richtig.
Aber vielleicht habe ich dich in dem halben Jahr, das wir uns jetzt kennen,
einfach nie wirklich kennen gelernt. Ich kann’s nicht sagen.

Am Anfang schrieben wir noch Mails. Stunden- und seitenlang.
Haben wir uns dann irgendwo zwischen hunderten von DMs verloren?

Apropos DMs. Seit du dein tolles neues Smartphone hast, bist du so ein Handy-Proll.
Das sage ich dir auch – oft. Weil du es oft in der Hand hast. Auch, während wir reden.
Ist deine Aufmerksamkeit bei unserem wöchentlichen Treffen zu viel verlangt?
Kannst du in den zwei Stunden wirklich nicht offline sein?

Und dein Studium, es hat dich verbrannt. Weißt du, es ist nicht alles schlecht.
Nur weil es bei dir nicht so toll war, ist nicht alles verdammt, was hier so läuft.
Bei mir ist es ja auch nicht gerade immer rosig, for that matter.
Du allerdings bist zu einem Zyniker ohnegleichen geworden. Und ich mag es nicht.

Ich mag auch nicht, dass du dich während wir gemeinsam unterwegs sind und uns unterhalten
nicht mal für drei Minuten auf mich und unser Gespräch konzentrierst.
Stattdessen schaust du den Mädels hinterher und überlegst dir, welche du am liebsten hättest.
Nur um im nächsten Moment doch wieder von ihr anzufangen. Zu seufzen, dass das ja doch nie was wird.
Dein foreveralone-Gequatsche geht mir inzwischen mindestens genauso auf den Nerv, wie deine DMs, in denen steht,
dass die Mädels in deiner Heimat ja eh alle viel toller und besser sind, als das, was hier so rumläuft. Danke auch.

Sagtest du noch, dass ich dich, als wir uns kennenlernten, aus einem Loch geholt habe.
Dass es doch „Hoffnung gibt“ und sowieso alles gar nicht so grau ist, wie du davor dachtest,
ist nun der Satz „Mich will ja eh Keine“ in dein Standard-Repertoire übergegangen. Think twice!

Und nur, weil ich jetzt mit jemandem zusammen bin, habe ich keine Probleme mehr?
Das denkst du offensichtlich. Da du dich so gar nicht mehr für mich und mein Leben zu interessieren scheinst.
Natürlich mache ich mir noch Gedanken, habe Gefühle und auch Probleme.
Doch irgendwie mag ich das auch gar nicht mehr mit dir teilen. Dir geht es ja eh viel schlechter zur Zeit.

Ach nee, halt. Stimmt ja gar nicht. Deine momentane Situation ist für dich vermutlich das Beste, was dir passieren konnte.
Aber im Moment treibst du so vor dich hin und hast neben deinen fixen Ideen und Tagträumen keinen wirklichen Plan zur Hand.

Warum ich dir das alles nicht persönlich sage? Nun ja, würdest du mir zuhören?
Viel wichtiger: Würdest du verstehen was ich sage? Oder es nur abtun?
Ist ja nicht so, dass ich das zum Ersten mal sag.

Ein Freund erzählte mir unlängst erst von seiner gescheiterten Freundschaft,
die an einer harmlosen Diskussion über Nichtigkeiten zerbrach.
„Im Nachhinein betrachtet, lag es vermutlich an viel mehr. Es hat sich so aufgebaut“, sagte er mir.
Ich weiß im Moment nicht, ob es bei uns nicht schon zu viel ist.

Und heute schreibst du, dass du mich nicht verstehst und fragst, ob du was falsch gemacht hast.
Nun, nein. Hast du nicht. Du bist nur du. Daran ist nichts verwerflich.
Du wunderst dich, dass ich so kurzfristig absage, aber fragst nicht, warum.
Du meinst, ich hätte wenig Zeit. Erinnerst du dich noch daran, wie es bei dir vor einem Monat war?
Ich bin übrigens im letzten Studienjahr, die Arbeit wird nicht weniger. Schock!

Doch das alles weißt du natürlich nicht. Weil du nicht fragst.

In den letzten Tagen hatten wir so wenig Kontakt wie noch nie seit wir befreundet sind.
Das finde ich nicht gut. Aber ich kann (oder will?) momentan auch nichts dran ändern.

Am Ende frage ich mich: Kennst du mich überhaupt?

 

Ich hab dich echt lieb, weißt du. Und du fehlst mir.

deine miko

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