Die „Junge Mutter aus dem Osten“

„Die Angreiferin“, so betitelt die aktuelle Ausgabe des stern (Nr.4 – 20.1.2011) einen Artikel zur SPD-Politikerin Manuela Schwesig. Der Artikel soll zeigen, wer das „neue soziale Gewissen der SPD“ sei. Durchaus interessant, ihre Geschichte. Das hehre Ziel Ursula von der Leyen Kontra zu geben, nachdem sie „der SPD eines ihrer wichtigsten Themen weggenommen“ hat: die Familienpolitik. Schön und gut soweit. Ich möchte mich auch gar nicht über die Politik der SPD oder CDU, über Frau Schwesig oder Frau von der Leyen weiter äußern. Dafür stehe ich zu wenig im Thema.

Was einem direkt auffällt, schlägt man den doppelseitigen Artikel auf: Das Bild von Manuela Schwesig, sie läuft am Ufer des Schweriner Sees, im Hintergrund das Schweriner Schloss und mit einer Bildunterschrift, die mich schaudern lässt (siehe rechts).

Das ist es also worauf sie reduziert wird. Ihre Heimat. Dass die gute Frau studierte Finanzbeamtin und seit November 2009 stellvertretende Parteivorsitzende der SPD ist, interessiert nicht.

Nein, sie kommt aus dem Osten. Das ist es also, was wichtig ist? Warum, um Himmels Willen, kann man nicht einfach schreiben „aus Frankfurt an der Oder“, wenn man ihre Heimat unbedingt erwähnen will? Ich habe ehrlich noch nie gelesen, „Herr de Maizière aus dem Westen“. Ich glaube, bei den „West-Kollegen“ wird die Herkunft sowieso nicht so hervorgehoben.

Ich kann es einfach nicht mehr hören. Wo ist hier das geeinigte Deutschland? Wo ist das Bestreben, die Mauern aus den Köpfen der Leute zu bekommen und sie nicht noch in den neuen Generationen wieder aufzubauen?

Doch Frau Schwesig steht dem stern in nichts nach: „Ostdeutsche Frauen seien emanzipierter, findet sie – und ostdeutsche Männer auch. ‚Die kommen mit starken Frauen klar. Die nehmen es locker, wenn ihre Frau erfolgreicher ist und mehr verdient.'“

Ja, auch wenn das wohl positiv gemeint ist gegenüber ostdeutschen Frauen und ich mich darüber vielleicht sogar freuen könnte oder sollte – schließlich gehöre ich als Ostmädel auch dazu – gefällt es mir nicht. Was halten denn die „Wessis“ von solchen Aussagen? Ich habe hier „im Westen“ Kommilitoninnen und Kollegen kennen gelernt, die so gar nicht dem entsprechen, was Frau Schwesig da von sich gibt. Gerade in unserer Generation sollte und kann man nicht mehr zwischen Ost und West unterscheiden. Wir sind in einem vereinigten Deutschland geboren, wenn nicht, dann letztendlich aber aufgewachsen und sollten uns auch so verhalten.

Es ist vielleicht im Vergleich eines der geringsten Probleme unserer Gesellschaft. Doch für mich existiert es. Und sei es nur, weil die Kommilitonen „Ey, Ossi“ sagen oder mit den Bananen-Witzen anfangen. Sicher darf man stolz auf seine Heimat sein, doch ich finde daran kann man keinen Menschen ausschließlich messen. Viel wichtiger ist doch das, was sie leistet. Die „Angreiferin“, die „junge Mutter aus dem Osten“.

 

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Ein Gedanke zu „Die „Junge Mutter aus dem Osten“

  1. svuechiatrie sagt:

    Das ist im Stern schon häufiger so gewesen. Ich lese ihn eigentlich sehr gern, aber wenn ich jetzt so drüber nachdenke gab es da immer mal wieder über die „starken Ostfrauen“… oder die „andere Ost-Erziehung“ oder „Sportler aus dem Osten“ etc.

    Was den nicht mehr existenten Unterschied in unserer Generation angeht, so kann ich dem nicht zustimmen. Ich und meine Kommilitonen die damals übers Nachrückverfahren von West nach Ost kamen… sind da auf ziemliche Ablehnung gestoßen und es gab auch in vielen Ansichten und Verhaltensweisen Unterschiede.

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