Vorlesung ja, aber bitte nicht Vorlesen

Ich weiß, dass diese Veranstaltungen, die ich so tagtäglich in der Uni besuche, sich Vorlesungen nennen. Da steht es ja praktisch schon drin: v-o-r-l-e-s-e-n

Aber trotzdem hat mich die heutige Vor-les-ung etwas sehr ernüchtert.

Für die Datenbanken-Vorlesung haben wir einen externen Dozenten, der wohl schon sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet hat und sich (deshalb) dazu berufen fühlt, uns Studenten, die ja überhaupt keine Ahnung von der richtigen Berufswelt haben, etwas über Datenbanken beizubringen. </ironie>

Wir hatten zu Beginn des Semesters schon einige Diskussionen mit ihm. Da ging es vor allem um sein sehr eigenwilliges Bewertungssystem und tangential auch um seinen Vorlesungsstil. Das hat sich zum Glück jetzt erst mal geklärt.

Heute also nun die erste Vorlesung in 2011. Wie schaut’s aus? Zunächst einmal will er wieder stundenlang über irgendwelche Dinge reden, die sich eigentlich auch in fünf Minuten klären lassen. Dann möchte er, dass wir in der zweiten Hälfte Übungsaufgaben machen, eine Probeklausur des letzten Jahrgangs. Was an sich auch nicht verkehrt ist. Das Problem dabei ist einfach, dass wir noch nicht mal ansatzsweise im Stoff soweit sind, um alle Aufgaben davon lösen zu können.

Das sage ich ihm auch frei heraus, dass ich lieber erstmal die Inhalte vermittelt bekommen würde, bevor ich sie anwenden soll. Da mache ich die Übungen auch freiwillig zu Hause, wenn ich in der Uni die nötigen Informationen dafür bekomme und mir nicht alles selbst beibringen muss.

Gegen Eigeninitiative und privates Selbststudium habe ich nichts. Damit man mich nicht falsch versteht, aber ich sehe es nicht ein, dass wir uns den kompletten Stoff selbst aneignen müssen, weil der Dozent es nicht auf die Reihe bekommt eine ordentliche Vorlesung zu halten.

Jedenfalls, nach guten 30 Minuten beginnt er dann doch mal seine Folien an die Wand zu werfen. Ach nein, halt! Das sind ja gar nicht seine Folien. Die hat er nämlich von einem gewissen Prof. Dr. Manthey „geborgt“. Der habe sich damit so viel Mühe gemacht und die sind ja auch wirklich gut und da muss man ja nicht alles noch mal machen. Der gute Herr Manthey doziert an der Uni Bonn, wenn man mal Google befragt. Ob dem das so gefällt, was hier mit seinen Folien getrieben wird?

Aber okay, das ist ja auch nicht das Problem. Die Folien sind wirklich gut gemacht und informativ. Das eigentliche Problem, was mich heute so zur Ernüchterung brachte, ist, dass sich unser werter Herr Dozent vorn hinstellt und die Folien vorliest. Also, wirklich, eins zu eins vorliest! Teilweise auch noch falsch. Man könnte zuweilen das Gefühl bekommen, dass er gar nicht versteht, was er uns da erzählen will. Da steht er dann mal eben fünf Minuten vorn, guck auf die aktuelle Folie und liest sie sich durch. Und seine Fragen sind manchmal so konfus und überhaupt nicht zum Thema passend. Als ob er selbst nicht weiß, worum es geht.

Es ist so frustrierend. Ja, mag sein, dass das Vorlesen der eigenen (!!) Folien an einer „normalen“ Universität der Normalfall ist. Doch da haben die Leute, die da so reden in der Regel auch Ahnung vom Stoff und ein Professor Doktor irgendwas vor ihrem Namen stehen. Bei uns an der Dualen Hochschule läuft das zuweilen etwas anders. Wir sind eben nur ein Kurs von 17 Studenten und können dementsprechend mit den Dozenten interagieren. Von anderen Vorlesungen sind wir das auch gewöhnt. Übungen, Zwischenfragen, Diskussionen. Alles kein Problem. Doch einen Foliensatz durchlesen, dafür brauche ich keinen Dozenten und könnte die Zeit durch aus sinnvoller nutzen. Zumal wir vor der Datenbanken-Vorlesung jeden Donnerstag noch drei Freistunden haben, die wir irgendwie in der Uni halbwegs sinnvoll verbringen. Doch in der Regel kommt dabei leider nicht so viel bei rum.

Wären wir nicht durch die Anwesenheitspflicht dran gebunden, würde ich diese Vorlesung definitiv nicht mehr besuchen. Ich versuche jetzt die drei Stunden davor in der Bib zu arbeiten oder meine Vorsätzen umzusetzen und Nachrichten zu lesen. Und in der Vorlesung an sich chillen, versuchen zuzuhören (was bei diesem Mann echt nicht einfach ist) und mich nicht aufregen.

Unsere Hochschule und der Dozent selbst schreiben sich mit solchen Veranstaltungen definitiv ein Armutszeugnis. Traurig!

Advertisements

2 Gedanken zu „Vorlesung ja, aber bitte nicht Vorlesen

  1. […] Es ist kein Geheimnis, dass die Datenbanken-Vorlesung, seit Jahren vom selben Dozenten angeboten, mehr schlecht als recht ist. Mitgenommen habe ich unterm Strich nichts aus dieser Vorlesung. Die Basics in SQL sind mir […]

  2. […] Es ist so frustrierend und furchtbar ärgerlich. Was haben wir am Anfang des Semesters geredet und diskutiert und geklärt und getan. Und letztendlich hat sich doch nichts, absolut und einfach gar nichts geändert. Die Veranstaltung „Datenbanken“ war dieses Semester noch schlechter als im letzten. Vermutlich weil der Dozent (im folgenden Herr P. genannt) sie noch nie in dieser Art gehalten hat. Normalerweise lässt er die Studenten nämlich ein Projekt machen. Eine Anwendung, die mit einer Datenbank interagiert – so á la Lagerverwaltung. Tja, Pech nur, dass wir den Kram schon im letzten Semester in Software-Engineering gemacht haben und wir – im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten – tatsächlich was lernen wollten und die Projektidee abgelehnt haben. Böser Fehler! Der P. ist auf so was nämlich gar nicht vorbereitet. Aber statt mal was zu machen, stellt er sich vorne hin und trägt uns weiter aus einem geklauten Skript vor. Vielleicht erinnert sich der Ein oder Andere noch hieran. […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: