Es ist kalt. Ich warte auf den Zug. Stehe auf dem Bahnsteig.
Ein ICE fährt ein und wieder weg. Und ich stehe immer noch da und warte.
Zwei Minuten, zehn Minuten. Wo ist der Unterschied?
Ich stehe da, immer gleich – unbeweglich.
Die Füße parallel nebeneinander. Schwarze Pumps. Mit einem Riemchen über dem Spann.
Die Strumpfhose, die ich heute Morgen angezogen habe, hat eine Laufmasche.
Aber das ist nicht schlimm. Denn ich habe eine Hose an.
Meine Arme vor meinem Körper verschränkt. Ich halte mich fest.
Weil es sonst keiner tut.

Ganz langsam schleicht er ins Gleis. Der rote Wurm.

Ich setze mich in den Zug – nach oben.
Suche mir einen Platz mit Fenster und gucke raus.
Ich gucke und gucke. Fünf Minuten Verspätung und wir fahren endlich los.
Eine Stunde durch die Landschaft. Ich schau sie mir an.
Wie sie vorüber zieht.
Ich sitze mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Immer.
Und sehe zurück. Auf die Felder, über denen der Nebel hängt.
Auf die Autos, die über die Landstraße düsen.
Auf die Häuser, in denen die Lichter angehen.
Auf das Atomkraftwerk.
Auf den Horizont. Es wird hell.
Es wird Tag. Und ich sitze im Zug und schaue vor mich hin.
Die Gedanken weit weg. Weg von mir. Ich fühle mich leer.
Und denke an die letzte Nacht. Halb eins bin ich aufgewacht.
Mir war übel. Ich hätte die Tabletten nicht auf leeren Magen nehmen sollen.
Ich überlege mir, dass ich nach der Arbeit einkaufen gehe…

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