Und dann lese ich heute in der NEON,…

… dass es Paare, die in einer Fernbeziehung doch besser haben.

Weil da jeder seinen Freiraum hat. Und weil da jeder seinen Freundeskreis hat, seine Hobbys und wasweißich ohne, dass die „Grenzen verschwimmen“. Weil man die Zeit zusammen intensiver erlebt und besser managed – „quality time“  nennt man das jetzt auf Neudeutsch.

Tut mir leid, Frau Fritzsche, aber Sie haben offenbar noch nicht in einer Fernbeziehung gelebt, oder etwa doch?

Klar, sollte jeder seinen Freiraum haben und auch Dinge tun, die nur für ihn selbst sind und mal mit „seinen“ Freunden was allein unternehmen. Doch dafür muss man ja nun wirklich nicht hunderte von Kilometern weit voneinander entfernt wohnen, oder?

Quality time kann man auch haben, wenn man zusammen lebt. So schön ist das nämlich gar nicht, wenn man nur am Wochenende zusammen „lebt“.

Man streitet sich weniger, weil man nur telefonieren kann und sich selten sieht und die Zeit in Harmonie verbringen will? Tut mir leid, dass ist nicht schön, sondern ungemein anstrengend! Haben Sie schon mal eine Auseinandersetzung gezwungenermaßen und ungeklärt bei Seite legen müssen, weil der andere in den nächsten Minuten einfach wieder wegfährt und man nicht im Streit auseinander gehen will?

Man verfällt in keinen Alltagstrott, wenn man eine Fernbeziehung führt? Doch na klar, den gibt es auch… nur eben etwas anders und trotzdem kann der genauso nervig und blöd sein, wie der „face-to-face“-Alltag. Das kann einem in jeder Beziehung passieren! Man muss halt drauf achten, eh?

Man ist emotionaler, gefühlvoller und achtet den anderen mehr in einer Fernbeziehung? Ach kommen Sie, die Gefahr, dass man sich emotional und vor allem körperlich entfremdet ist doch gerade bei Fernbeziehungen am größten! Klar, man sollte den anderen auch nicht als selbstverständlich hinnehmen, aber es ist viel schöner und einfacher ihn (oder sie) durch keine Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeiten „zwischendurch“ wert zu schätzen, wenn er in greifbarer Nähe ist. Per SMS oder Mail oder Skype ist das einfach nicht dasselbe.

Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja auch an mir, doch für mich sind diese Argumente alle nicht gerade sehr schlagkräftig, um Entfernung als positiven Einfluss auf eine Beziehung zu werten.

Beziehungen sind nicht einfach und werden nicht einfacher, schon gar nicht durch nichts-tun oder weg-sein.

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2 Gedanken zu „Und dann lese ich heute in der NEON,…

  1. nussundpoint sagt:

    Stimme sowohl dir als auch der Autorin Neon-Artikels teilweise zu.

    An einer Beziehung muss man nunmal immer arbeiten, egal ob man sich jeden Tag, am Wochenende oder nur alle drei Monate sieht. Eine Fernbeziehung löst nicht automatisch alle Probleme und verhindert einen öden Alltag.
    Aber ich finde schon, dass eine Fernbeziehung einen immer wieder daran erinnert, dass man die Zeit, die man tatsächlich miteinander verbringt schätzen muss. Sowas verliert man leichter aus den Augen (ich sage bewusst nicht „vergessen“) wenn man sich immer sieht, wenn man nie Abschiede durchstehen muss.

    Ich glaube übrigens nicht, dass mein Freiraum durch die Fernbeziehung vergrößert wird. Wenn ich Zeit für mich wollen würde, könnte ich mir die auhc nehmen wenn ich keine Fernbeziehung hätte. Im Gegenteil finde ich sogar, dass mein Freiraum irgendwie auch „eingeschränkt“ wird, insofern, dass ich, wenn ich die Wahl habe, Zeit lieber am Telefon etc. verbringe, weil man ja auch wenigstens das ausnutzen will was man hat. Und dafür mache ich dann (freiwillig) etwas anderes ein bisschen weniger, wofür ich mir, würde ich meinen Freund öfter sehen, mehr Zeit nehmen würde.

    Der Point.

    • miko sagt:

      Ja, gerade dieses Freiraum „Argument“ finde ich persönlich totalen Kokolores.
      Wie du schreibst, man nimmt sich dann eher Zeit zu telefonieren, aber dadurch geht dann gut und gerne jeden Abend auch mal eine Stunde bei rum, die man sonst für anderes nutzen hätte können. Und wenn man mal weniger Zeit hat (bspw. wenn ich ein, zwei Überstunden mache), dann hört man sich tagelang kaum bzw. immer nur mal zwischendurch bei einem kurzen „Ich lebe noch – Wie geht es dir“-Telefonat.
      Und auch das „bewusste Zusammensein“ an den Wochenenden finde ich manchmal etwas anstrengend. Nicht, dass ich nicht gern mit meinem Freund Zeit verbringe. Aber man versucht dann eher „was besonderes“ zu machen, dabei finde ich es auch einfach schön, wenn wir nur in einem Zimmer sind und jeder seins macht. Doch wenn man nur knapp zwei Tage zusammen hat, kommt einem das nicht „gut genug“ vor.

      Ach, es ist ein Krux mit dieser Fernbeziehungskiste – da kann man noch so viele „Ratgeber“ lesen, es wird nicht besser/einfacher/anders.
      Einerseits schön, dass man überhaupt die Möglichkeit hat durch Telefon/Skype, Bahn/Mitfahrgelegenheit. Doch andererseits auch furchtbar anstrengend. Ich glaube, ich bin einfach nicht der Typ dafür – vielleicht auch, weil ich es schon anders mit meinem Freund erlebt habe.

      Wie ist das eigentlich bei euch? Hattet ihr von Anfang an eine Fernbeziehung?

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