Fahren.

In den letzten Wochen – zumeist an den Wochenenden – war ich sehr viel unterwegs.

Gestern bin ich mal wieder mit der Bahn zurück vom Heimaturlaub gefahren. Diesmal habe ich keine Platzreservierung gemacht, da ich schlichtweg für keinen der vier möglichen Züge etwas reservieren konnte. Ich fand das zwar in dem Moment nicht schön, aber dachte auch nicht, dass es weiter tragisch ist. Mir wurde berichtet, dass es in jedem ICE ein Abteil gibt, in dem keine Plätze reserviert werden können. Da ich bei der ersten Station einsteige, dachte ich, dass ich ja gute Chancen habe, noch einen Platz zu ergattern.
Der Haken an der Geschichte ist jedoch, dass diese Plätze für ‚bahn.comfort‘ reserviert sind. Das ist noch mal eine andere BahnCard und sobald jemand kommt mit dieser Karte, muss man den Platz räumen.
Ich besitze natürlich „nur“ eine normale BahnCard und wurde direkt an der zweiten Station von meinem Platz verscheucht. Ein bisschen dreist ist es ja schon, wenn die Leute ankommen und fragen „Haben Sie bahn.comfort?“ und dich dann wegschicken. Ich wurde auch prompt als allererste angesprochen. Ich sehe wohl nicht wie der klassische bahn.comfort-Kunde aus.
Das fand ich schon nervig. Der Zug war bereits ab der ersten Station hoffnungslos überfüllt.
So musste ich – nicht als einzige! – im Gang stehen bzw. im Türbereich (wo noch etwas mehr Platz ist) sitzen. Spätestens ab dem übernächsten Knotenpunkt war das nicht mehr möglich.
Die Leute haben sich brutal rein gedrängelt und geschoben und geschubst und vor allem gemeckert. Mit den ganzen Koffern, die dann da so dazugehören ist das alles nicht so einfach.
Die Krönung war eine Frau, die total rumgenervt hat. Die ist auch noch zwei Mal bei uns vorbeigekommen und hat jedes Mal wieder alle voll geschimpft, die ihr auch nur ein kleines bisschen im Weg gestanden haben.
Die Schaffner sind da auch nicht besser. Einer hat dann irgendwann entnervt im Gang gestanden und ganz laut gerufen „Ich will nicht mehr.“ Verstehen kann ich es ja.
Doch für viele Fahrgäste ist so eine Fahrt, fünf Stunden im Gedränge und auf dem harten Fußboden ohne Entspannung, auch nicht gerade angenehm. Für die süffisante Antwort: „Dann hätten Sie Plätze reservieren sollen“, hätte ich am liebsten einmal zugeschlagen. Platzreservierungen waren laut einer Mitfahrerin schon eine Woche zuvor nicht mehr möglich. Wie soll das denn dann bitte gehen? So viel war selbst Weihnachten oder Ostern nicht los.

Doch, so blöd das alles auch ist, die Schaffner sind daran nicht schuld.
Ich sehe das Problem beim Management der Bahn. Kauft man (als BahnCard-Kunde) eine Fahrkarte gilt diese für die Strecke und nicht für einen speziellen Zug, das heißt die Bahn kann nie 100%ig sagen, wie viele Leute mit einem Zug fahren.
Gerade auf viel befahrenen Strecken ist das Problem der überfüllten Züge bestens bekannt und ich frage mich, warum da nicht Ausgleich geschaffen wird.
Mir ist es egal, ob die Züge mehr Waggons haben oder ob sie öfter fahren, Hauptsache ist für mich, dass das Reisen angenehm wird.

Um es in den Worten einer anderen Mitfahrerin zu sagen:

„Ich musste mir ein Ticket für über hundert Euro kaufen und habe jetzt noch nicht mal einen Sitzplatz.“

Vielleicht fahre ich demnächst mehr mit Mitfahrgelegenheit. Da hat man wenigstens die Garantie auf einen Sitzplatz. Vielleicht ist man nicht unbedingt schneller, aber durch die Verspätung, die die Bahn sowieso immer – zumindest auf meiner Strecke – hat, gleichen sich die Fahrzeiten sehr stark an.
Spart Geld und man lernt nette Leute kennen. Unseren Fahrer vom Mittwoch habe ich heute in der Uni wiedergetroffen. ☺

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2 Gedanken zu „Fahren.

  1. Kampfgurke sagt:

    Ein Schaffner der der frei heraus sagt: „Ich will nicht mehr“ ? Muss ja sehr viel Mut machen. Schon schlimm sowas!

  2. Niko sagt:

    Als nicht BahnCardler ist man immer auf einen Zug festgenagelt, wie doof. Und eigentlich weiss man als Unternehmen doch auch, wann es Stoßzeiten gibt.
    Ich habs aber auch schon am eigenen Leib erlebt, dass man lieber Züge Woche für Woche total überfüllt fahren lässt, bevor da noch nen Wagen dran kommt.
    Die Bahn verteidigt für mich gerne den Ruf, dass sie nicht kundenfreundlich sind 😉

    Mitfahrgelegenheit hat eben eindeutig den People-Bonus. Meist sind die Fahrten interessanter, weil man Leute hat, mit denen man reden kann. Dafür kann man dann die Fahrt eher nicht zum Reden nutzen.
    Meist sind die Fahrten dann aber auch um einiges billiger als ein Ticket, und man kommt ähnlich schnell ans Ziel – falls kein Stau herrscht 😉

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