Archiv der Kategorie: Schreiben

tränenleer
betrachte ich
die zerplatzte Seifenblase
alles verloren und vorbei?
ratlos

Hilflos
warte ich
auf das Ende
von Hin und Her
Entscheidung

Zwanzig vor sieben.

Du musst auf dich selbst Acht geben, auf dein Herz. Ich kann es ja nicht mal bei mir.
Das sagte ich zu dir. Nach dieser Nacht, in der wir so betrunken waren.
Welch ein Klischee wir da erfüllt haben.

Heute fiel es mir wieder ein. Mitten auf dem Weg,
zwischen der Bushaltestelle und dem Marktplatz, als ich gerade auf die Uhr sah.
Sie zeigte zwanzig vor sieben.

Ja, heute war ein langer Tag. Es gab viel zu tun. Meetings.
Gespräche über Dinge, die eher getan werden sollten, als dass
man immer noch drüber redet. Doch das ist wahrscheinlich überall so.
Nicht nur auf der Arbeit. Dass man redet und redet, ohne was zu tun.
Manchmal wird auch nicht geredet. Und nichts getan.

Fünf Minuten später bin ich schon daheim und sehe
in den Briefkasten. Er ist leer.
Keine Nachrichten sind gute Nachrichten?
Und ich denke wieder an dich.

Erinnerst du dich noch daran? Wie wir in Venedig waren und Tauben traten?
Was hast du danach gemacht? Eine Armee von Feuerlöschern angeheuert,
die jegliche Funken löschen etwa?

Diese Gedanken. Sie führen ja doch zu nichts. Und obwohl heute Freitag ist,
werde ich früh zu Bett gehen. Schlafen. Hoffentlich traumlos.

Wie eine Hülle meiner Selbst…

Gleich einem Traumtänzer ohne Traum. Gekettet an ein Meer, das sich angefüllt
mit Herausforderungen und Selbstzweifeln Realität nennt. Er, der Zug Wahrheit
rast stetig und unaufhaltsam auf mich zu, immer weiter. Immer wieder überrollt er
mich – ein Loch in mir aufreißend, das nie ganz verheilen wird. Die Kette, die mich
zurückhält, zu kurz zum Ertrinken und nicht lang genug zum Entfliehen.

Ich weiß, recht destruktiv…

Es ist kalt. Ich warte auf den Zug. Stehe auf dem Bahnsteig.
Ein ICE fährt ein und wieder weg. Und ich stehe immer noch da und warte.
Zwei Minuten, zehn Minuten. Wo ist der Unterschied?
Ich stehe da, immer gleich – unbeweglich.
Die Füße parallel nebeneinander. Schwarze Pumps. Mit einem Riemchen über dem Spann.
Die Strumpfhose, die ich heute Morgen angezogen habe, hat eine Laufmasche.
Aber das ist nicht schlimm. Denn ich habe eine Hose an.
Meine Arme vor meinem Körper verschränkt. Ich halte mich fest.
Weil es sonst keiner tut.

Ganz langsam schleicht er ins Gleis. Der rote Wurm.

Ich setze mich in den Zug – nach oben.
Suche mir einen Platz mit Fenster und gucke raus.
Ich gucke und gucke. Fünf Minuten Verspätung und wir fahren endlich los.
Eine Stunde durch die Landschaft. Ich schau sie mir an.
Wie sie vorüber zieht.
Ich sitze mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Immer.
Und sehe zurück. Auf die Felder, über denen der Nebel hängt.
Auf die Autos, die über die Landstraße düsen.
Auf die Häuser, in denen die Lichter angehen.
Auf das Atomkraftwerk.
Auf den Horizont. Es wird hell.
Es wird Tag. Und ich sitze im Zug und schaue vor mich hin.
Die Gedanken weit weg. Weg von mir. Ich fühle mich leer.
Und denke an die letzte Nacht. Halb eins bin ich aufgewacht.
Mir war übel. Ich hätte die Tabletten nicht auf leeren Magen nehmen sollen.
Ich überlege mir, dass ich nach der Arbeit einkaufen gehe…

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