Archiv für den Tag 30. Oktober 2010

Die Stühle werden wieder hinter das Café (zurück) gestellt.

“Heute Nacht kannst du eine Stunde länger schlafen.”

“Ich weiß. Du auch.”

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Da wagt es dieser Kerl doch tatsächlich… !! Ich kann es einfach nicht glauben. Unfassbar! Was bildet der sich eigentlich ein?

Seit einem Jahr studiere ich. Seit einem Jahr bin ich in diesem Kurs. Und seit einem verdammten Jahr bin ich Kurssprecherin. Und warum das Ganze?

Keiner der ach-so-tollen-hochgeschätzen Herrschaften war bereit den Job zu übernehmen. “Ne, lass mal.” – “Dafür bin ich nicht der Richtige.” – “Das interessiert mich eigentlich nicht wirklich.” Hauptsache keine Verantwortung übernehmen. Aber funktionieren soll ja alles. Nur wer macht das? Natürlich, die dummen Frauen. Genauer gesagt: ich. Bin auch ehrlich selten dämlich. Will ja auch nur, dass alles funktioniert.

Und hier noch mal die Frage: Warum das Ganze?

Bei so einem Job ist man doch immer angearscht. Ehrlich! Jeder will was von einem und zum Schluss wird man eh nur angeschnauzt.

Deine Handynummer haben Dozenten, Sekretärinnen, Kommilitonen. Immer erreichbar, für jeden Notfall gewappnet und wenn ich mal nicht rangehe, dann können sie mir ihr Leid hinterlassen. Nebenbei bemerkt der (einzige) Grund, warum ich die fucking Mailbox aktiviert habe. Und was genau habe ich davon? Kann ich sagen: 1. Dozenten rufen an – am liebsten während einer anderen Vorlesung – und wollen Termine kurzfristig verschieben. -oder- 2. KommilitonInnen schreiben panische SMS wegen Dingen, die ich schon längst regele.

Der Posteingang quillt über voller Koordinations-Mails, die in den seltensten Fällen was nützen. Der Postausgang quillt über voller Informations-Mails, die wahrscheinlich eh keinen Schwanz interessieren.

Wozu mache ich den Rotz eigentlich? Wozu kümmere ich mich tagein-tagaus darum, dass der scheiß Kalender gepflegt ist, damit alle bequem nachschauen können und pünktlich bei den Vorlesungen sind? Wozu spreche ich mit Dozenten Vorlesungs- und Klausurtermine ab, damit wir im Plan bleiben? Wozu maile ich Fragen an unseren Studiengangsleiter, die mich eigentlich einen Scheiß interessieren?

Weil ich verdammt noch mal die Kurssprecherin bin. Und eigentlich mache ich solche Dinge gern. Weil ich will, dass alles funktioniert, dass es läuft.

Ich kümmere mich um diesen Kurs voller ignoranter, eingebildeter, hochnäsiger Bastarde und komme mir zuweilen vor wie Mutti, aber interessieren tut es die feinen Herren einen Dreck! Ist doch egal, wie das mit dem Vorlesungsplan besprochen wird, ist doch egal wer die Stunden zählt, damit wir nicht zu viel machen, ist doch egal wann den Dozenten hinterhergerannt wurde, um Klausurtermine oder -inhalte zu erfragen, ist doch egal wer nach Whiteboard-Markern oder einer Beamer-Fernbedienung fragt und rennt, damit die Vorlesung weiter gehen kann. Ist doch alles scheiß-fucking egal! Hauptsache es funktioniert, was?

Und dann bildet sich einer dieser “Ich mach das nicht, das ist mir alles egal, hauptsache es funktioniert”-Kerle ein, mir “nurn kleinen tipp” geben zu wollen?? Ich glaub, ich spinne! Der hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun! Erst denken, dann machen!Mir, die diese Praxisphase bestimmt hundert Mails geschrieben und dreihundert Telefonate geführt hat; mir, die dadurch einfach weiß, wie Kommunikation läuft und dass es nicht schlimm ist, wenn man eine Mail an zwei Empfänger schickt, dass es sogar richtig ist, weil der scheiß Inhalt beide Empfänger was angeht – deswegen schreibe ich ja zwei rein, du Nase! Mir will der erzählen, wie ich E-Mails verfassen und abschicken soll?

Und das aller schärfste kommt erst noch: Dieser Kerl, der mit mir seit einem Jahr in dem Kurs ist, der wie alle anderen schon haufenweise Mails über den Verteiler von mir bekommen hat (und sich dann darüber auch noch beschwert, dass ich ihn informiere!), mit dem ich in einem Projektteam zusammengearbeitet habe; dieser Kerl schreibt meinen Namen falsch! Meinen scheiß-simplen-beschissenen Vornamen, den man doch nach einem Jahr kennen sollte, oder etwa nicht??

Für solche Proleten-Bonzen-Möchtegerns rackere ich mich so ab? Und was gibt’s dafür? Nichts! Einfach rein gar nichts, nullKommanochweniger, niente, nada! In der Schule gab’s wenigstens ein Vermerkt auf dem Zeugnis. Aber hier? Kein Wort der Dankbarkeit, geschweige denn mal ‘n feuchter Händedruck. Wir sind hier im richtigen Leben, Baby! Harter Alltag in dieser “Männerdomäne”. Da kannste dich gleich mal dran gewöhnen, ey. Du bist ‘ne Frau, dafür biste doch da, oder watt! Hackts??!

“Dann schmeiß es doch hin”, hat ‘ne Freundin zu mir gesagt. Jahaaa… na klar. Und dann? Rege ich mich über das Chaos, dass dann ausbricht, und die schreiende Inkompetenz meiner Kommilitonen auf, nur um dann zu hören: “Mach du’s doch besser”!?

Ach ja, scheiße… Leben ist kein Ponyhof und Mainboard ist kein Legokasten. Is’ schon klar. Ich weiß.

 

So, liebe Leser. Jetzt ist die Luft raus. Und bevor jemand kräht: Ja, ich weiß ich tu’ mit meiner Tirade etwas Unrecht. Natürlich sind nicht alle Männer, wie ich sie dort oben so wohlwollend beschreibe. Schon gar nicht alle meiner Kommilitonen. Da gibt es auch sehr nette Exemplare. Und auch der, der meinen Namen noch nicht weiß, kann ab und zu menschlich und weniger männlich sein. Und ganz so haaresträubend ist das Kurssprechertum auch nicht. Ich bin auch ganz fest davon überzeugt, dass die werten Herrn Kommilitonen nicht inkompetent sind. Wie sonst haben sie es bis ins dritte Semester geschafft? ;) Ernsthaft, einige haben wahrscheinlich mehr drauf als ich. Ich bin ja auch nicht perfekt und weiß Gott nicht Gott, das weiß ich selbst. Der Tipp mag vielleicht im Kontext sinnvoll sein, jedoch war er – meiner Meinung nach – an dieser Stelle nicht angebracht. Manchmal geht’s halt einfach mit mir durch und ich verspreche, bei diesem Kurs und dieser Hochschule wird das nicht das letzte Mal gewesen sein.

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